Warum stellt sich einem Teil der Menschheit die Sinnfrage?

Das Tier scheint die Sinnfrage nicht zu kennen. In der Entwicklung der Menschheit gibt es quasi auch eine Entwicklungsgeschichte der Sinnfrage. Beim Steinzeitmenschen dürfte sich die Sinnfrage noch kaum gestellt haben und sie hat in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten auch durch neue wissenschaftliche Welterklärungserkenntnisse zugenommen. Solange die katholische Kirche in Europa und den überseeischen Kolonien das Weltbild stellte und die alleinige Deutungshoheit besaß, war eigenständiges Denken ein gefährliches Geschäft. Als sich dann die Erde vorstellungsmäßig nicht mehr um die Sonne drehte und die Aufklärung und das darauf entstandene wissenschaftliche Weltbild eine neue Freiheit des Denkens vielen Menschen eröffnete, stellte sich verstärkt und völlig neu die Sinnfrage. Die Sinnfrage weist hierbei auf das spezifisch Menschliche hin – auf das Verlangen des Menschen, sein Leben zu verstehen und es als Person nach eigenen Werten gestalten zu können. Wären wir nur triebhafte Wesen würde sich uns die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht stellen. Dann hätte alles seine Ordnung und diente allein dem Zweck der Bedürfnisbefriedigung und darüber hinaus einem dekadenten Hedonismus – gemessen an der gigantischen Weltbevölkerungszahl des angebrochenen 21. Jahrhunderts verwundert mich die gefühlte Geistferne des größten Teils der Menschheit nicht. Sollte das unter Umständen auch mit der überwiegenden Armut und dem damit verbundenen harten Existenzkampf der Menschheit zu tun haben?

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