Vorwort zum (Sinn-)Buch „Die Sinn-Reden des Dada Lama“

3affen1Es hatte für mein Empfinden sehr lange gedauert, bis ich meinen eigenen Lösungsreim fertig hatte. Dabei ging es um die verschiedenen Arten des Seins, wobei ich mich nur auf den Menschen mit all seinen Verschiedenheiten beziehe und Säugetiere nebst unseren nächsten Verwandten, Menschenaffen, außer Acht lassen möchte – auch wenn sich Teile meiner Theorie auf sie übertragen lassen. Was den Menschen vom Rest dieser Säugetierwelt unterscheidet ist sein Neocortex, seine immense Großhirnrinde intellektueller Fähigkeiten, die uns nur vermeintlichen zum besseren Menschen gemacht haben. Zwar leitet sich der Anspruch des „besseren Menschen“ aus dieser Großhirnrinde ab, können sich doch Tiere keine Ethik ausdenken und natürlich erst recht keine Götter! Der Mensch ist also in erster Linie mit einer enormen Vorstellungskraft begabt und diese gepaart mit Neugier, womit ich schon die Voraussetzungen der Wissenschaft und Forschung beschrieben habe. All die so ersonnenen Wissenschaften von der Welt und ihre Forschungen haben ein gigantisches Wissensarchiv geschaffen, welches sich permanent potenziert und große Teile älteren „Wissens“ als überholt erklärt. Da Wissen Macht ist, leitet sich die Macht der Mächtigen und ihrer Völker aus diesem Wissen ab, ihrer Wissenschaft und Forschung. Diese wird mit sehr viel Geld und technischer Ausrüstung betrieben und die armen Nationen der überwiegend südlichen Hemisphäre sind dabei zumeist völlig chancenlos. Deshalb wandern ihre intelligenten Kinder, sobald sich ihnen eine Chance bietet, in die reichen Länder des Nordens ab, was lapidar als Brain-Drain bezeichnet wird und tatsächlich eine Katastrophe für die betroffenen Ursprungsländer des Brain-Drains ist. Ein Teufelskreis! Vielleicht hat Samuel Huntingtons beschriebener „Kampf der Kulturen“ ursprünglich mit dieser Ungleichheit der Kulturen zu tun, ist doch der aufgeklärte Westen eher abgeklärt atheistisch oder pseudo-christlich-protestantisch und der/die Vertriebene/Flüchtling dagegen das kulturelle Produkt einer Vormoderne, z. B. eines mittelalterlich anmutenden Islams.

dontthinktvDiese kurze Einleitung in die Problematik unseres unterschiedlichen Seins war unvermeidbar, ist doch das Thema komplex und soll, so meine Hoffnung, nicht allein mittels Großhirnrinde (Intellekt) verstanden werden. Wirkliches Verstehen wird gleichermaßen durch den Verstand und unser Gefühl realisiert, d. h. Gefühl und Verstand bekämpfen und dominieren sich nicht mehr gegenseitig und gehen versöhnt Hand in Hand auf der Hochstraße ihres Verstehens. Das ist ein Idealzustand, den gläubige Menschen als „Gnade“ oder gar als Zustand der Erleuchtung bezeichnen würden. Trotzdem wollen wir weder „Gnade“ noch „Erleuchtung“ überschätzen, trennt uns doch die Überschätzung von der Erreichbarkeit des erstrebten Zustandes. Noch ist unser Sein zumeist unbefriedigend bis frustrierend und das Licht der Erleuchtung am Ende des Tunnels schon ein Orientierungs- und Hoffnungspunkt. Aber viele unserer Art- und Zeitgenossen wandeln im geistigen Dunkel und haben unter Umständen nicht einmal die blasseste Vorstellung geistiger Helle oder gar Erleuchtung!

Viele der Mainstreammedien sind bei der Erreichung dieses Zieles nicht gerade hilfreich, um nicht zu sagen kontraproduktiv. Zumeist geistiger Müll und seichte Unterhaltung und/oder Desinformation auf all ihren Kanälen führen zu Resultaten in Form von Artgenossen, mit denen ich offensichtlich keinerlei Gemeinsamkeiten habe! Ihr Sein ist von meinem Sein evolutionäre Lichtjahre entfernt und es kann passieren, kommen wir diesen Art- und Zeitgenossen zu nahe, dass sie uns den wertgeschätzten Schädel einschlagen. Vielleicht liegt in ihrer plumpen Art der Gewaltanwendung ein evolutionärer Vorteil, auch wenn ich es nicht wahr haben will. Nennt sich so ein Mitmensch Fundamentalist und ist ob seiner „höheren Wahrheit“ bereit sich für diese „Wahrheit“ zu opfern, dann haben wir es höchstwahrscheinlich mit einem Freitodattentäter zu tun, der gegebenenfalls ferngesteuert agiert. Ein Phänomen welches seit dem Niedergang der UdSSR und der bi-polaren Weltordnung unangenehm und höchst bedauerlich zugenommen hat. Man halte mich bitte nicht für einen Zyniker, der ich gewiss nicht bin, sollte ich mich auch manchmal so anhören.

strassenrundOb nun der „Kampf der Kulturen“ Produkt eines planenden Willens oder einer unabwendbaren Eigendynamik war, will und kann ich nicht beurteilen. In jedem Fall ist das Resultat schlecht für die Welt und die menschliche Psyche. Niemand soll sich veranlasst sehen sich mittels eines Sprengstoffgürtels – oder dergleichen Mordwerkzeuge mehr – samt unschuldigen Opfern gemeinsam in den Tod zu nehmen. Dieser tagtägliche Zustand ist hochgradig krank und fatalerweise normal geworden, wird uns doch täglich davon in den Medien berichtet – Business as usual, d. h. die Welt des Menschen ist chronisch krank und unter jenen Umständen können wir auch sagen: Die Menschheit im Zeitalter des Anthropozäns ist die Krankheit des Planeten! Leider wirkt sich all das, die Summe all der negativen Weltnachrichten, auf unsere Psyche aus und lässt die Welt tagtäglich sinnloser erscheinen. Man muss schon ein dickes Fell haben und gehörig abstumpfen um nicht an ihr und dem täglichen Wahnsinn zu verzweifeln. Deshalb sucht der Mensch nach Sinn für sich und sein Dasein, Aufgaben, die seinem Leben Sinn geben oder in denen er Sinn sieht bzw. projizieren kann. Darüber hinaus sucht der Mensch nach dem Sinn an sich, dem „höheren Sinn“, einer Art göttlichen Sinn, deren Schöpfer er jedoch unbewusst selbst oder sein Projektions- und Glaubenskollektiv ist. Der „höhere Sinn“ bezieht sich in erster Linie auf die Überwindung bzw. Beschwichtigung der Todesabsurdität und -Angst, der Lebenssinn in Form einer sinnvollen Aufgabe richtet sich dagegen auf die Meisterung unseres Daseins.

Trotzdem ist das Bedürfnis nach Sinn bei jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung und Stärke vorhanden und hängt von seiner individuellen Disposition sowie der persönlichen Beschaffenheit ab. „Glücklich (sind) die geistlich Armen“ – lat.: „Beati pauperes spiritu“ – stammt aus der Bibel (Matthäus, 5,3), und ich sehe hier tatsächlich einen Zusammenhang mit der jeweiligen Hirnbeschaffenheit des Menschen. Wer über einen zu großen und hoch entwickelten Neocortex und Verstand verfügt wird kopflastig, dominiert damit sein Gefühl und bringt sich damit leicht um seine Glückseligkeit im Augenblick. Der gefühlsbetonte Mensch ist jedoch ein Augenblicksmensch, jemand, der mittels seiner starken Gefühle im Augenblick völlig aufgeht und somit mit seinem Sein verschmilzt. Dieser Augenblicksmensch hat ein anderes und meist viel schwächeres Bedürfnis nach Lebenssinn, da ihm das Dasein im Hier und Jetzt schon genug Daseinsfülle und natürlichen Sinn bietet. Meist sind es die südlichen Temperamente, die wir als unzuverlässige Augenblicksmenschen wahrnehmen, ist doch unter anderem auch ihr Verhältnis zurzeit ein anderes als bei uns kopflastigen Nordeuropäern. Pünktlichkeit ist eine der Sekundärtugenden der Deutschen, die sich mit ihren hochwertigen Produkten – die alle ein Produkt ihrer hoch entwickelten Neocortexes sind – weltweit einen Namen gemacht haben. Glücklich ist unser Volk dadurch nicht geworden, „nur“ wohlhabend.

Das Sein speist sich jedoch aus dem Gefühl (Thalamus), und je geringer der Verstandesfilter mit seinem Bewusstsein als Filter agiert, desto intensiver lebt der Mensch in seinem Sein im Hier und Jetzt. So gesehen ist der Preis für die kopflastigen Besitzmenschen hoch, den sie für ihr stark eingeschränktes Sein bezahlen, welches sich mehr im Haben manifestiert und in ihrer Gefühlskälte.

hirnlimbischessystemErwähnung verdient hier noch der präfrontale Cortex – die Hirnregion hinter Nase und Stirn -, der als Sitz des „Gewissens“ gilt und wichtig bei der Entscheidungsfindung des Menschen ist beziehungsweise bei einer Verletzung zu gewissenlosen Entscheidungen und krankhaften Verhalten führt. Neue Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen dass Moral sehr stark mit Emotion gekoppelt ist und dass deshalb der präfrontale Cortex als die mit Abstand aktivste Hirnregion bezeichnet werden kann. Selbst bei Schlafentzug versucht diese Hirnregion noch gegen die Leistungsverringerung anzukämpfen. Der Autor Antonio Damasio, Neurologe an der University of Iowa, deutet den präfrontalen Cortex als eine Art Mittler zwischen Gefühl und Verstand. Nach Ansicht Damasios verschaltet der präfrontale Cortex die Gefühle, die im limbischen System entstehen, mit den rationalen Abwägungen des handlungsstarken Neocortex.

Müssen wir uns auf der Suche nach Sinn mit all diesen Faktoren auseinander setzen oder können wir ihn auch ohne all dieses Wissen finden? Damit habe ich mich in all meinen laut gedachten Reden selbst konfrontiert, wobei ich in den unterschiedlichsten Gemütsverfassungen war, was wohl das jeweilige Denk- und Gefühlsresultat beeinträchtigt haben dürfte. Mal sehen wir das berühmte Glas halb voll, mal halb leer und vergessen: Wir sind diejenigen die hier einen objektiven Zustand bewerten. Bewertung aber ist Gefühl, negativ (leer) oder voll (positiv) – das sollten wir bei all der Sinnsuche nicht vergessen. Ich wünsche bei der Lektüre meiner Dada Lama-Reden viel Spaß und Erkenntnis, dada est ergo sum, und empfehle gleichzeitig die hier mit abgedruckte Schrift von Wassily Kandinsky „Über das Geistige in der Kunst“, ist doch die Kunst in ihrer geistigen Form etwas, was nur der Mensch auf der Suche nach Sinn erschaffen kann und uns in seinen Resultaten zeigt: es ist möglich!

9a500-frank2Herzlichst

yours frankly

Frank, 7th Dada Lama

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6 Gedanken zu “Vorwort zum (Sinn-)Buch „Die Sinn-Reden des Dada Lama“

  1. bewertung ist das, was der neokortex mit einem gefühl oder auch einer köperlichen reaktion im allgemeinen tut. es würde ja genügen, eine gefühl zu fühlen, denn es kommt und geht auch wieder. hier ist der präfrontale vermittler im allgemeinen zu eifrig. Das gehirn möchte einfach gerne denken und hängt sich an jede möglichkeit dazu. wer je zu meditieren versucht hat, weiß, dass dieser strom von gedanken unkontrollierbar herumhüpft (und daher auch als „monkey mind“ bezeichnet wird). mit rationalem „denken“ als kontrollierte aktion im sinne von nachdenken, überdenken, abwägen, etc. hat dieser gedankenstrom gar nichts zu tun. manchmal gelingt es, dieses monkey-denken zu beobachten und zu erkennen, dass ich nicht diese gedanken bin. deshalb möge sich als ergänzung zum typus des südlichen gefühlsmenschen einerseits und kopflastigen nordeuropäers andererseits der kontemplative asiate gesellen, der denken kann, wenn es nötig ist, und ansonsten achtsam im augenblick lebt, gleichgültig, was er gerade tut. 🙂

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    • Ich denke Frank hat nur einen Vergleich gezogen, dennoch, die Einspielung anderer „Kulturen“ ist wertvoll, allerdings sind sie wohl ebenso weitab von der „Menschenart“, wo meine Gedanken beim Einstellen und Redigieren der Zeilen hingingen: indigene Völker, denen es noch möglich ist mit dem ganzen Körper zu denken bzw. eigentlich tun sie es ja nicht, denn sie lassen eher all ihre Gliedmaßen und dergleichen für sich den Augenblick genießen, selbst denken sie ergo nicht. Sie müssen also keine Gedanken abschütteln, da sie vorhanden und doch nicht sind. Sie sind eins mit allem. Und hier ist dann auch der Unterschied zum genannten Asiaten zu finden, der zwar achtsam ist, aber eben nicht vollkommen. Inwieweit eine Person von dem entfernt ist spielt eine Rolle, wenn auch im Gesamtkonstrukt eine geminderte. Dem Weg zu dieser verlorenen Einheit und das Auseinandersetzen mit dem Istzustand kann als Anfang aller Sinnsuche empfunden werden. Und genau deswegen bin ich der Anschauung, dass Frank hier nur einen Vergleich gezogen hat.

      Abgesehen davon: hättest du Lust illustratorisch mit in dieses Buchprojekt zu springen? Es würde sich in dieses Buchprojekt gut einbinden, denn deine Art der Geisteskunst wirkt trefflich, eben gerade weil wir uns entschieden noch den großen Russen Kandinsky mit ins Boot zu nehmen, damit wir auf der Fahrt nicht zu viel denken müssen und den Augenblick genießen können. 🙂

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      • ich bin gebauchpinselt. was genau ist dann das für ein projekt? und was für illustrationen schweben euch vor? ich habe übrigens auch andere bilder aus den letzten jahren. keine dailypaintings, sondern größere formate, die mehr von meinem innenleben zeigen, anstatt meine paprikas und äpfel… ich kann die mal ein pdf senden mit einer übersicht, wenn du magst. grundsätzlich find ich es interessant.

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    • Vielen Dank für diese ergänzenden Zeilen, die meine Gedanken abrunden. Ich werde diesen sinnvollen Kommentar gern – sicher in Deinem Sinne – in unser Buch mit aufnehmen. Mir kam es darauf an gewisse Zusammenhänge sichtbar zu machen und konnte und wollte nicht zu ausführlich und lang dabei werden – in der Kürze (Prägnanz) liegt bekanntlich die Würze! Kürzlich sagte ein Jugendforscher aus Wien über die heutige Jugend, diese sei: „oberflächlich, sprunghaft und unverbindlich“! Ob man sie trotzdem mit Kürze & Würze mental erreichen kann?! Einen Versuch ist es immer wert… Vielen Dank nochmals für Deinen guten Kommentar sagt
      mit herzlichem Gruß
      yours frankly
      Frank

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  2. „Die Anfänge“ stehen hier im Blog (gepinnt auf der Startseite), das Datum irrt aber, fing doch alles auf den alten Betreiber blog.de an. Ich habe das seinerzeit mal auf meinem „A(HB)-Blog“ „reblogged“, der zwar auch zeitlos ist (keine Datumsangabe), aber am Permalink in der Browserleister erkennt man das Eintragungsdatum, dass jetzt 2 Jahre alt ist (Link: http://www.blog.adelhaid.de/2014/12/buchprojekt-der-sinn-des-lebens.html).
    Mit dem Umzug nach WP kamen aber immer weniger Beiträge, um es gemilde auszudrücken. Seit Mai diesen Jahres schreibt Frank (exittravels) regelmäßig (und ich stelle es für ihn ein, da er mit WP nicht unbedingt umgehen mag).
    Diese Tatsachen änderten natürlich das Projekt in seinen Grundzügen. Das erscheinende Buch wird daher keine Anthologie werden, sondern ausschließlich aus seinen Texten bestehen, mit einem Vor- und Nachwort von mir. Ich mache auch die ganze „Drecksarbeit“ drumherum. Die gesammelten Einträge der anderen Mitwirkenden soll im Nachguß zu einem zweiten Buch führen, dass das urspr. Ziel dann umsetzt. Nicht alle Beiträge sind hier auf dem Blog und ruhen bei mir auf der Festplatte. Also die Möglichkeit sich daran zu beteiligen ist weiterhin vorhanden und auh erwünscht.
    Für das 1. und dann auch für das 2. Buch wäre eine Illustration mit hübschen (und passenden) Bilder allerdings eine schönen Sache. Diese würden natürlich im Buch in S/W erscheinen; ich denke das Cover an sich (des 1. Buches) will Frank selbst entscheiden.
    Wie auch immer, du kannst mir gerne ein pdf schicken – meine E-Mail-Adresse ist nicht geheim 🙂 und lautet: info@adelhaid.de

    PS an alle Leser: Wir suchen auch noch Mitwirkende für ein Lektorat! Ehrenamtliche Mitstreiter friedlicher Natur. ^^

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