Das Schlusskapitel der Sinnsuche

freesulinaxxlAls junger Mann war ich einige Male in Indien. Auf meiner zweiten Reise fuhr ich aus Nepal kommend in die nordindische Stadt Vārānasi bzw. Banāras, die am heiligen Fluss Ganges liegt. Mitten in der Bahnhofshalle dieser heiligen Stadt der Hindus sah ich dann eine fast nackte männliche Leiche liegen, was mich natürlich sehr schockierte. Der Tote war völlig abgemagert und nach meinem ersten Eindruck vielleicht sechzig Jahre alt. Auf dem Leichnam saßen unzählige Fliegen und die einheimische Bevölkerung störte sich offensichtlich nicht an der Leiche und ging fast achtlos daran vorüber. Ich ging jedoch näher zum Toten und stellte fest: Der Mann war noch nicht so alt, wie ich zuerst dachte und ich schätze ihn dann auf um die vierzig. Mir fiel auch das Kleingeld neben dem Toten auf. Es hatte sich dort als Spende oder „Servicegebühr“ angesammelt und ich erfuhr später im Gespräch mit einem Inder das sich über diese „Servicegebühr-Kollekte“ der Abtransport der Leiche regelt. Wenn sich nämlich genügend Geld angesammelt hat kommt ein Dalit (=„Unberührbarer“) und „entsorgt“ die Leiche. Ob diese dann verbrannt werden (Holz ist teuer dort), wage ich jedoch zu bezweifeln. Man stelle sich einmal vor im Berliner Hauptbahnhof würde seit drei Tagen mitten in der Bahnhofshalle eine Leiche liegen und die meisten Menschen gingen daran achtlos vorüber – unvorstellbar! Der Tod wird bei uns versteckt und sein Anblick hat etwas obszönes, etwas, das all unsere weltlichen Ziele, alles, was wir mit Sinn belegen, sinnlos erscheint. Beim Anblick dieses obszönen Todes als sinnlich erfassbarer Tatsache werden wir sehr unsanft mit der eigenen Sterblichkeit und der daraus resultierenden Sinnfrage konfrontiert. Deshalb erfanden die hinduistischen Inder vor langer Zeit all ihre unsterblichen Götter Mittel gegen den Tod. Wer daran glauben kann, hat es gut, wird doch der Tod dadurch zu einer Art Transit ins Paradies oder zur Reinkarnation. Nur das jeweilige weltliche Ego bleibt als Leidverursacher auf der Strecke und das große Rad des Lebens dreht sich unaufhaltsam weiter – mit oder ohne uns.

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Nur bei uns ab- und aufgeklärten Abendländern funktioniert dieser Trick mit den unsterblichen Göttern schon lange nicht mehr. Wir haben für fast alles technische Lösungen gefunden und der Tod und seine Beseitigung werden als technisches Problem gesehen. Ein technischer Lösungsversuch stellt zum Beispiel die Kryonik [Kryostase] dar. Unter diesem Begriff versteht man, dass der Leichnam eines Menschen nach dem Ableben in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius konserviert wird. Das wird in der Absicht getan, die Verwesung zu verhindern. Und in der Hoffnung, dass in der Zukunft dieser noch nicht wirklich verstorbene Mensch reanimiert werden kann und damit das Leben dann weiter geht. Rein technisch muss der Körper des Verstorbenen dann möglichst schnell abgekühlt werden. Dann muss, solange der Körper noch knapp über null Grad ist, das Blut durch eine spezielle Kühlflüssigkeit ausgetauscht werden, damit beim weiteren Abkühlen unter dem Gefrierpunkt keine Zellbeschädigungen entstehen. Dieses Verfahren ist die sogenannte „Vitrifikation“. Sie ist um das Jahr 2001 erfunden worden – davor hat man das auf Glycerinbasis gemacht. Es wurde zwar eine Verringerung der Gefrierschäden durch den Blutaustausch mit Glycerin erwirkt, aber aufs Ganze gesehen war das noch nicht befriedigend. Seit 2001 kann man nun das Gehirn vitrifizieren, d. h. man kann es ganz ohne Schäden konservieren.

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ärmliche Beerdigung in Livingston/Guatemala

Auf der einen Seite ist es natürlich „genial“ was sich der Mensch, oder sagen wir besser „gewisse Menschen“ bei der rechten Motivation alles so einfallen lassen. Der Tod scheint hier ein alles überragender Motivator zu sein und wahrscheinlich würde mir ein Milliardär u. U. sein ganzes Raub-Vermögen dafür geben, wenn ich ihm im Austausch dafür Jugend und Unsterblichkeit, quasi ein Götterdasein, anbieten könnte. Aber auch ich bin nur ein Sterblicher wie Du und vom Problem meines nahenden Todes direkt betroffen. Auch alle Erkenntnis wird mir nicht wirklich dabei helfen können dieses Problem aufzulösen. Mit anderen Worten: Ich muss ihn akzeptieren und zwar nach Möglichkeit nicht nur nolens volens. Je frei und williger ich mich in seine Arme werfe, umso leichter wird mein Fall ins Leere sein – so jedenfalls meine Hoffnung. Da ich in meinem Leben schon zwei Mal „gestorben“ bin indem ich Freitodversuche mit Bewusstseinsverlust in meiner Jugend überlebte, hatte ich zumindest einen Vorgeschmack auf das, was mir eines nicht so fernen Tages noch ohne Wiederkehr bevor steht. Bis dahin möchte ich meine verbleibende Zeit sinnvoll nutzen, also meinem Dasein im Diesseits einen Sinn geben – auf den Sinn für danach verzichte ich gern und brauche auch keinen Religions-Placebo um mich mit dem Tod zu versöhnen. Damit möchte ich diese Sinn-Reise heute vorerst abschließen und sollte mir noch etwas ganz WICHTIGES zum Thema einfallen und gar widerfahren (z. B. Ein Wunder, eine Offenbarung) werde ich EUCH, liebe Freunde, Feinde, Art- & Zeitgenossen davon gern in Kenntnis setzen und freue mich gleichermaßen auf eure Erkenntnisse, Wunder und Offenbarungen…

 

Passt gut auf EUCH auf,

9a500-frank2mit herzlichem Gruß

yours frankly

Frank

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