Im Anfang war der Sinn

assisi86Zum Denken bedarf es einer Sprache und ich bin froh nicht in binärer Logik wie ein Computer/Rechner ganz ohne Gefühl zu funktionieren. Deutsch ist eine ausgezeichnete Sprache zum Philosophieren und Sprache bildet nicht nur die Welt ab, sie vermag auch gedachte Welten und Sinn zu schaffen. Ohne eine hoch entwickelte Sprache, so meine These, kann es auch keinen hoch entwickelten Sinn, kein hoch entwickeltes Verstehen der Welt in ihrer Komplexität geben. Auch Tiere verfügen über das Instrument der Sprache, nur ist ihre jeweilige Sprache (z. B. der Gesang der Vögel und Wale) eine Gefühlssprache, die also augenblickliche Gestimmtheiten des tierischen Lebewesens widerspiegelt bzw. kommuniziert. Ich schreibe dies als Einleitung zu dem, worum es mir heute tatsächlich geht: Sprache als Erfindung des Göttlichen. Auch wenn die Bibel im Abendland nicht mehr die Bedeutung hat, die sie vor ein paar Jahrhunderten in Europa hatte, so möchte ich mich doch mit der Anfangs-Stelle darin aus dem Johannesevangelium beschäftigen, jenem tiefgründigen Prolog in der Form eines strophischen Liedes (1,1–18 EU):

Im Anfang (ρχή) war das Wort (λόγος)

und das Wort war bei Gott,

und das Wort war Gott.

Im Anfang war es bei Gott.

Alles ist durch das Wort geworden

und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“

ghostwomanmariaxlDarin liegt Wahrheit, die zuerst verstanden werden will. Gott ist eine Wort-Chiffre, die jeder selbst mit Sinn erfüllen kann, ganz wie er es vermag und wie er danach strebt. Letztlich finden wir, äußerlich betrachtet, immer den Prozess der Projektion des Sinn-Stiftenden Individuums, welches wie in einem Rorschachtest in das jeweilige Tintenklecksbild seinen persönlichen Sinn projiziert ohne dies gemeinhin selbst zu realisieren selbst der Sinnstifter zu sein – nur unter dieser Voraussetzung funktioniert (nicht nur) der Rorschachtest! Sinn entsteht also über das Wort in seiner konkreten Bedeutung für mich und mein Leben, d. h. nicht im abstrakten Sinn! Zwar spielt die Ganz im Gegensatz zum Menschen, der häufig zu sehr im Schatten seiner Vergangenheit befangen oder/und mit seiner ungewissen Zukunft beschäftigt ist. So betrachtet müsste das tierische Sein viel einfacher und beglückender sein als das der Menschen mit ihrem ewigen Streben nach Fortschritt, materiellem Reichtum und einem höheren Sinn zur Rechtfertigung des eigenen Seins. Als Menschen sind wir in der Lage unserer Sein in seiner endlichen zu begreifen – auch wenn wir es wirklich nur selten begreifen in der tatsächlichen Tiefe dessen, was es bedeutet: Es wird mich/dich nur ein einziges Mal in Zeit und Raum geben. Jeder Mensch ist einmalig und mit seinem Tod unwiederbringlich fort! Schlimmer als der individuelle Tod ist jedoch der Tod einer ganzen Art die für immer ausgelöscht wurde. So hatte jemand gefragt: Was ist die Steigerungsform von tot? Die Antwort war: a u s g e s t o r b e n !

marionetxxlUnd wenn sie nicht gestorben sind, dann suchen sie noch heute. Oder aber sie haben aufgehört zu suchen und angefangen zu leben, zu lieben und loszulassen! Die Sinnfrage des Lebens kann tatsächlich nur gefühlsmäßig gelöst werden und muss sich wie ein Knoten lösen. Das kann ganz von allein und unmerklich geschehen oder auch über einen langen Leidensweg, hängt es doch von den individuell unterschiedlichen Bedingungen ab mit denen ein jeder Mensch zu kämpfen hat. Ein leichtes Leben muss nicht zwangsläufig ein gutes Leben sein, auch hier gelten die Gesetze der Dialektik und ich habe einmal den Satz geprägt: Leiden läutert! Manchmal ist das Leiden die Voraussetzung für das Glück. Ich gebrauche hier immer einen bildhaften Vergleich: Wenn dein persönliches Pendel einen hohen Leidenspunkt auf der einen Pendelseite erreicht, Du also sehr leidensfähig bist, dann kann es auf der anderen Seite auch genauso hoch ins Glück schwingen! Deine Leidensfähigkeit bedingt also deine Glücksfähigkeit und wer immer ein leichtes Leben hatte, mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde und aufwuchs, der muss nicht sehr glücksfähig sein. Jemand, der viele Jahre in Unfreiheit lebte und jetzt in die Freiheit entlassen wird, der vermag Freiheit glückhaft zu empfinden. Für uns ist Freiheit eine Alltäglichkeit, die wir zwar nicht missen wollen, aber wir wissen sie nicht so zu würdigen wie der einstige Gefangene in Unfreiheit! Außerdem wird nicht hoch geschätzt, was einem kampflos in den Schoß gefallen ist. Wenn ich für meine Freiheit unter Einsatz meines Lebens kämpfen musste, dann werde ich mir diese Freiheit niemals wieder kampflos nehmen lassen!

Aber hier eröffnet sich wieder ein weites Feld, wenn ich die heutige Welt- und Gemengelage betrachte und es sträuben sich mir alle Nackenhaare dabei angesichts all der menschlichen Dummheit, die hier überall zu Tage tritt das es mir die Worte verschlägt. Ich schlage deshalb eine gemeinsame Schweigeminute vor…

9a500-frank2Mit herzlichem Gruß

yours frankly

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s