Fortsetzung (Teil 3): Warum stellt sich dem Menschen die Sinnfrage?

pferdFrankl brachte seine kritisch-analytischen Ansatz durch eine treffende Formel zum Ausdruck: Dem Menschen gehe es seiner Meinung nach in erster Linie um den „Willen zum Sinn“, während in der Psychoanalyse Freuds der „Wille zur Lust“ und in der Individualpsychologie Adlers der „Wille zur Macht“ maßgebend sei. Ich persönlich bin der Meinung dass sich diese drei Ziele (Sinn, Lust und Macht) je nach Menschentyp in unterschiedlicher Ausprägung und Konstellation offenbaren. Beispielsweise dürfte ein Nihilist seinen Mangel an Sinn durch Lust und/oder Macht (über-) kompensieren. Apropos Nihilismus (lateinisch „nihil“, „nichts“), in den USA bekämpfen sich die christlichen Kreationisten mit den atheistischen Evolutionisten, den Anhängern der darwinschen Evolutionstheorie. Diese Evolutionslehre, so sagen diese christlichen Kreationisten, führe den Menschen in die Sinnlosigkeit. Der französischer Biochemiker und Nobelpreisträger Jacques Lucien Monod schrieb in seinem Buch „Zufall und Notwendigkeit“: „…es gibt keinen Plan, keine natürliche Moral, keine natürliche Ethik, kein Gesetz der Natur, dem wir zu gehorchen hätten.“ Als Zufallsprodukt muss der Mensch „seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen“, er wandelt wie „ein Zigeuner am Rande des Universums“, ohne Sinn und Ziel. Für diesen aufgeklärten Atheisten gibt es keine sinnhafte Mitte, keinen Gott und damit weder Himmel noch Hölle. Alle Wirklichkeit wird auf Zufall und Materie reduziert. Monot spricht von der „Ungeborgenheit“ dieses modernen Menschen.

Orient3Was sich hier auftut, diese nihilistischen Abgründe der Leere, ist für die Situation des modernen Menschen erschreckend: Jede Geborgenheit wird ihm genommen. Selbst Nietzsche, der erklärte „Gott ist tot“, klagte: “Weh dem, der keine Heimat hat!“ Alles gerät in unserer globalisierten Welt mehr und mehr aus den Fugen und immer mehr Menschen sind auf der Flucht und ohne Heimat. Existenzängste machen sich in unseren reichen Industrieländern breit und verstärken den Wunsch nach Sinn, Lebenssinn! Konsum und Genuss kann dieses Bedürfnis nach Lebenssinn nicht befriedigen, die Sinnleere bleibt und führt zu schweren Depressionen und immer mehr Menschen befinden sich in psychiatrische (Dauer-) Behandlung.

Angesichts dieser immer schneller gehenden Entwicklung von Globalisierung, Zerstörung, Klimakatastrophe und Sinnleere verwundern mich Phänomene wie der islamische Fundamentalismus nicht, den bereits der US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington in seinem Buch „The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“ – dt. Kampf der Kulturen – Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert – beschrieb. In den Augen fundamentalistischer Islamisten – wozu ich auch den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zähle – sind die aufgeklärten Atheisten des Abendlandes gottlose Gesellen, die alle in die Hölle der Sinnlosigkeit fahren werden und die man deshalb bis aufs Blut bekämpfen muss! Köpfen macht deshalb in den Augen von islamistischen Fundamentalisten der ISIS „Sinn“ – aber auch Selbstmordattentate, ist der „Gläubige“ doch bereit für diesen „höheren Sinn“ sein Leben zu opfern!

Enthauptung2Hier zeigt sich leider auch wie Sinnfindung in die lustvolle Selbstzerstörung führen kann, weil ihn andere für ihre Zwecke missbrauchen, ihm ein Paradies im Jenseits versprechen um ihn zum Selbstopfer zu bringen – selbst Kinder werden auf diese perverse Weise dafür instrumentalisiert! Schauen wir aber zurück in die eigene europäische Geschichte, dann können wir die Augen vor den Taten katholischer Fundamentalisten nicht verschließen, die in der Zeit der Inquisition „Hexen“ und andere Ketzer verbrannten und zu Tode folterten im Namen ihres imaginierten الله אלה JHWH! Sinnsuche und Glaube kann sich offensichtlich zu einer gefährlichen Geisteskrankheit auswachsen.

Bleibt also geistig gesund und dem gesunden Sinn auf der Spur,

9a500-frank2herzlichst

yours frankly

Frank – Fortsetzung folgt!

 

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