Warum stellt sich dem Menschen die Sinnfrage?

JesusMüllKindIch möchte versuchen diese Frage aus eigener Erfahrung und den von mir in Jahrzehnten betriebenen Studien heraus zu beantworten. Fangen wir systematisch an: In der Natur gibt es kein anderes Tier welches sich diese Frage nach dem Sinn seines Daseins stellt. Nur der Mensch in individuell unterschiedlicher Ausprägung stellt sich diese existentielle Frage – existentiell deshalb, weil er u. U. bereit ist sich das eigene Leben zu nehmen wenn er diese fundamentale Frage für sich nicht befriedigend lösen kann! Mit anderen Worten: Die Frage nach dem Sinn des Daseins ist lebensentscheidend! Der von mir als Mensch und Autor sehr geschätzte Albert Camus schrieb: „Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord.“ Camus beginnt mit diesem Satz sein Buch „Der Mythos des Sisyphos“ und schreibt dann weiter: „Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien hat – kommt später.“

Die Frage nach dem eigenen Freitod ist jedoch an die Frage nach dem persönlichen Sinn meines Daseins gekoppelt und stellt sich bei vielen Menschen nur in existentiellen Lebens-Krisen, z. B. nach dem Verlust eines geliebten Menschen oder anderen schweren Schicksalsschlägen.

JesusKinderSpielAber bleiben wir noch etwas in der Tierwelt, der sich diese Frage nach dem Sinn des Daseins nicht stellt. Jedes Tier lebt 100%ig im Augenblick und ist deshalb immer authentisch – nicht so der Mensch. Wir zivilisierte Menschen, als selbstgekrönte Übermenschen, leben meist in drei verschiedenen Zeiten, d. h. einerseits im Schatten unserer Vergangenheit und/oder sehr mit unserer unsicheren Zukunft beschäftigt reduziert im Augenblick. Erst wenn der Mensch völlig im Augenblick angekommen ist, ist er ganz er selbst! Deshalb erlaube ich mir hier eine grundsätzliche Aussage: Je denaturierter der Mensch um so wenige ist er er selbst! Einem Menschen, der völlig in einer intakten Gruppe und natürlichen Umwelt lebt, wird sich die Frage nach dem Sinn seines Daseins nur selten bis nie stellen, hat ihm doch der Dorfschamane bereits alle Antworten gegeben. Hier zeigt sich der psychologische Charakter von Religion, sei sie nun gewachsen oder gestiftet, solange der Mensch nur einen relevanten Bezug zu ihr hat. Der moderne westliche Mensch ist jedoch individualistisch, hedonistisch, egoistisch und atheistisch und leidet häufig unter der Sinnleere seines oberflächlichen und nur auf Haben & Genießen ausgerichteten Daseins. Deshalb möchte er, der häufig an Konzentrationsschwäche leidet, unterhalten und abgelenkt werden, d. h. mittels Sex, Crime and Drugs, um es einmal platt zu sagen, um nicht mit der eigenen Sinnleere konfrontiert zu werden. Unsere kommerzielle Konsumgesellschaft mbH liefert ihm da permanent bequeme Steilvorlagen und ich muß gestehen: Es ist schwer sich aus all dem selbst zu befreien! Gleichzeitig leidet der moderne westliche Mensch, trotz all der Absicherung und Versicherungspolicen, unter großen Existenz- & Verlustängsten. Ich fand es persönlich immer erstaunlich in den armen Regionen der Welt mitanzusehen, wie sich z. B. in Neu Dehle abends in einer Straße Obdachlose sammelten, um dort auf der Straße zwischen abgemagerten Heiligen Kühen die nächste Nacht zu verbringen. So träumen diese Menschen, die nichts besaßen außer sich selbst, gemeinsam in den nächsten Tag hinein. Bei uns ist es umgekehrt: Menschen mit all ihrem Besitz und Luxus haben Angst vor der unsicher erscheinenden Zukunft, vor dem Verlust ihres Besitzes und in letzter Konsequenz ihres Lebens! Wer jedoch über einen intakten Lebenssinn und Überlebenswillen verfügt, einen echten und nicht vorgegaukelten, leidet nicht unter dieser Existenzangst und lebt intensiver – weil im Hier & Jetzt!

NoMoreLosers2Je größer also der Existenzkampf ist, desto weniger stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens, ist es doch schon schwer genug überhaupt am Leben zu bleiben um sein Leben zu fristen. Stellen wir uns einen afrikanischen Flüchtling vor, der sich vor Antritt seiner Flucht nach Europa Geld leihen mußte für die lange und gefährliche Reise, die ihn auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks zusammengepfercht mit 25 weiteren Flüchtlingen so viel leidvolle Strapazen auferlegte. Dann die lebensgefährliche Überfahrt in einem überladenen Schlauchboot und der horende Preis, den er den Schleppern dafür bezahlte. Nie stellte sich ihm die Frage nach dem Sinn seines Lebens, hatte er doch ein Ziel und den Willen ein besseres Leben führen zu wollen. Die aber, die schon immer ein gutes Leben führten, stellt sich aus Überdruss und innerer Leere vielleicht die Frage nach dem Sinn ihres Daseins?!

Ich werde dieses Kapitel demnächst fortsetzen und mich derweil über geneigte Kommentare freuen,

9a500-frank2herzlichst
yours frankly
Frank

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2 Gedanken zu “Warum stellt sich dem Menschen die Sinnfrage?

  1. Lieber Frank,

    nur Splitter. Fragen.

    Du weist auf die Bedeutung des Lebens in der Gruppe hin. Diese Anlage ist heute vermutlich ebenso stark wie in der „Urhorde“, deren Leben bzw. das Leben des Einzelnen in ihr Du als sinnerfüllt siehst. Fragen: wie sah es mit den Regeln der Urhorde aus, wie mit „Erfolg“ und Mißerfolg, wie mit Außenseitertum, mit nützlicher Rolle? Die alte Eskimofrau, die.. Und wie sieht es heute aus.. werden diese Mechanismen nicht auch auf unsere globalisierte Menschenansammlung projiziert, bzw. denken und reden, fühlen wir hier nicht so, als gälten sie noch? Wo, was ist Deine, meine Gruppe, Horde?

    Die Tatsache, daß das bedrohte Leben immer wertvoller erscheint als Paradox? Es übernimmt das Instinktprogramm des Tieres das Steuer; das Überlebensziel biologisch festgelegt. Man kann das konstatieren und dennoch bleibt jede Sicht für sich bestehen. Allerdings, im Überlebenskampf, der den Denkapparat des Menschen voll einspannt, mag alles auf Handeln ausgerichtet sein. Unterschwellig braucht es aber die Hoffnung. Sie ist der Motor für die Fälle, die Du anführst. Ansonsten kommen wir ins Reich der Abgeklärtheit, das Versenkung braucht. Ich fürchte, die Abgeklärtheit ist schlicht in der Notsituation nicht vorhanden, außer bei sehr willensstarken Ausnahmepersonen. Trainierten Kämpfern, die mit dem Leben abgeschlossen haben, Samurai. Und sie bedeutet im Zweifel auch Nichthandeln, Geschehenlassen.

    Wohl dem, dem sich die Sinnfrage nicht stellt!

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  2. Beinahe hätte mich hier Frank bekommen, ich bleibe dennoch bei meiner „anfänglichen“ Feststellung: der Sinn des Lebens wird gesucht weil er verloren gegangen ist. Und hier mache ich keine Ausnahmen, die auf Lebensumstände bezogen sind.
    Und trotzdem ist der Gedanke und die Anschauung richtig und wichtig, zeigt er/es uns doch, wie unterschiedlich der Verlust des Lebenssinns aussehen kann + wie weit entfernt Menschen von der Erkenntnis entfernt sind, eben und gerade auf so verschiedener Weise.
    Genau das alles sind wichtige Elemente, die man in einem möglichen gedruckten Werk aufnehmen muss. Die universelle Antwort kann erst dann vollends verstanden werden.

    Vielleicht war mein Kommentar zu früheilig, daher warte ich geduldig auf eine mögliche Fortsetzung.

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