Grundsätzliches zur „Endlösung“ der Sinnfrage

AMorgenhimmel

Wieder hat ein neuer Tag angefangen, Pfingstmontag. Es ist bewölkt und grau, auch hat es schon ausgiebig geregnet – die Natur freut sich darüber und auch ich habe nichts gegen den Regen. Nur Dauerregen sollte es bitte nicht sein, weil dieser macht erfahrungsgemäß depressiv – bei mir jedenfalls. Ich möchte jetzt noch einmal Erich Fromm preisen und kurz aus seiner „Kunst des Liebens“ zitieren um EUCH anzufixen:

„Welches sind die notwendigen Schritte, um eine Kunst zu erlernen?

Man kann den Lernprozess in zwei Teile aufteilen: Man muß einerseits die Theorie und andererseits die Praxis beherrschen. Will ich die Kunst der Medizin erlernen, so muß ich zunächst die Fakten über den menschlichen Körper und über die verschiedenen Krankheiten wissen. Wenn ich mir diese theoretischen Kenntnisse erworben habe, bin ich aber in der Kunst der Medizin noch keineswegs kompetent. Ich werde erst nach einer langen Praxis zu einem Meister in dieser Kunst, erst dann, wenn schließlich die Ergebnisse meiner praktischen Tätigkeit miteinander verschmelzen und ich zur Intuition gelange, die das Wesen der Meisterschaft in jeder Kunst ausmacht. Aber abgesehen von Theorie und Praxis muß noch ein dritter Faktor gegeben sein: Die Meisterschaft in dieser Kunst muß uns mehr als alles andere am Herzen liegen; nichts auf der Welt darf uns wichtiger sein als diese Kunst. Das gilt für die Musik wie für die Medizin und die Tischlerei – und auch für die Liebe. Und hier haben wir vielleicht auch die Antwort auf unsere Frage, weshalb die Menschen unseres Kulturkreises diese Kunst nur so selten zu lernen versuchen, obwohl sie doch ganz offensichtlich daran scheitern: Trotz unserer tiefen Sehnsucht nach Liebe halten wir doch fast alles andere für wichtiger als diese: Erfolg, Prestige, Geld und Macht. Unsere gesamte Energie verwenden wir darauf zu lernen, wie wir diese Ziele erreichen, und wir bemühen uns so gut wie überhaupt nicht darum, die Kunst des Liebens zu erlernen.
Halten wir vielleicht nur das der Mühe wert, womit wir Geld verdienen oder was unser Prestige erhöht, und ist die Liebe, die ’nur‘ unserer Seele nützt und die im modernen Sinne keinen Gewinn abwirft, ein Luxus, für den wir nicht viel Energie aufbringen dürfen? Wie dem auch sei, wir wollen uns im folgenden mit der Kunst des Liebens beschäftigen und wollen dabei folgendermaßen vorgehen: Zunächst soll die Theorie der Liebe erörtert werden (was den größeren Teil des Buches ausmachen wird), und an zweiter Stelle wollen wir uns mit der Praxis der Liebe beschäftigen – wenn sich auch hier (wie auf allen anderen Gebieten) nur wenig über die Praxis sagen läßt.“

AMoon

Jeder, der sich mit seiner persönlichen Lebenssinnfrage ernsthaft auseinander setzt, leidet mehr oder weniger unter dem damit verbundenen „existentiellen Vakuum“, wie es der jüdisch-österreichische Psychiater Viktor E. Frankl nannte. So es zu keiner Lösung dieser existentiellen Sinnfrage kommt, d. h. zur Erlösung aus dem Dilemma des sinnlosen Lebens, wird das jeweilige unerfüllte Leben in die eigene Destruktivität, die Selbstzerstörung führen. Drogen, Alkohol, Spiel- und Sexsucht sind dafür nur eine Variante des rauschhaften Untergangs, den wir vielerorts bei unseren Mitmenschen wahrnehmen können.

Dann finden wir Menschen, die in den jeweiligen Religionen und Kulten ihre Lebenssinnfrage lösen konnten, was natürlich jedermanns Privatsache ist – weshalb ich etwas gegen Staatsreligionen und den damit verbunden Zwang habe, siehe Iran und andere „Gottesstaaten“! Was ich zur Religion im allgemeinen zu sagen habe, habe ich bereits im kürzeszen Kapitel zum besagten Thema in diesem Buch gesagt. Nicht nur über Geschmack, auch über Religionen kann und soll man nicht streiten!

Das beste Mittel zur Lösung der eigenen Sinnfrage ist die Liebe in all ihren universellen Möglichkeiten – siehe: „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm. Die Voraussetzung dafür ist jedoch die eigene Liebesfähigkeit, die sich aus der eigenen Vita erklärt. Wer das Pech hatte in seinen ersten drei Lebensjahren nicht das Urvertrauen entwickeln zu können, welches zur wahren Liebe notwendig ist, der wird vielleicht als erwachsener Mensch unter krankhafter Eifersucht, dem Mangel an Vertrauen, sein Leben zerstören – und u. U. das Leben anderer Menschen! Auch Materialismus ist häufig eine Krücke um von der eigenen inneren Sinnleere abzulenken und ein schlechter Ersatz für einen echten Lebenssinn! Freundschaft ist für mich eine Form der Liebe und auch Freundschaft vermittelt Lebenssinn. Wenn der eigene Beruf sich von der eigenen Berufung dazu ableitet, dann kann auch dieser ausgeübte Beruf teilweise oder auch ganz die Lebenssinnfrage lösen. Meistens wird jedoch die erfolfreiche Lösung der eigenen Lebenssinnfrage vielschichtig sein, d. h. in vielerlei Beziehung umgesetzt werden: Liebe, Freundschaft, Beruf (u. U. einem Gottesglauben) usw.! Letztlich muss ich aber meinen Sinn aus mir selbst schöpfen um meine eigene innere Leere zu erfüllen! Ein Zaubertrick, der kein Trick sein darf um zu funktionieren. Wer die Voraussetzungen dafür nicht hat oder findet, der hat Pech gehabt, leider! Je mehr wir anderen helfen können dieses Problem für sich selbst zu lösen, um so schöner wird das Leben werden – nicht nur für den Betroffenen, nein, alles zieht Kreise! Auf diese positive und sinnvolle Art und Weise ist es möglich „Wunder“ zu vollbringen und unsere gebeutelte Welt braucht diese Wunder und ganz viele Mitmenschen, die diese Wunder schaffen können!

In diesem Sinn mit herzlichem Gruß aus dem Harz

yours frankly

Frank

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Ein Gedanke zu “Grundsätzliches zur „Endlösung“ der Sinnfrage

  1. [von Frank] Von Naiven und Wissenden …

    Einem Schriftstellerfreund, den ich um ein Vorwort für dieses Lebenssinn-Buch in spe gebeten habe, hatte ich den Text „Grundsätzliches zur ‚Endlösung‘ der Sinnfrage“ zugesandt, worauf er mir dies hier geantwortet hat:

    Lieber Frank,
    das hast Du schön formuliert. Gestern erhielt ich die Nachricht, dass ein Facebookfreund, den ich sehr verehrte, gestorben ist. Vier Tage später folgte seine Frau. Hier ist ein Zitat von ihm, das die Sache für mich prägnant auf den Punkt bringt:
    „Er möchte seine Sinne für das Unverfälschte schärfen, er möchte zurück zu der umfassenden Natur, die zwar vor Ausscheidungen wimmelt, vor Aas und vor Millionen von Keimen, die aber nicht verdreckt ist, die keinen Unrat kennt und keine Müllberge – dann wird er die Landschaften wieder in sich aufnehmen, sie werden ihn aufnehmen, und er wird sie nicht nur wie ein Zuschauer von außen betrachten, dann wird er tief in die Natur eintauchen, bis zu dem Punkt, an dem sie sich mit ihm selbst aus allen gesetzten Spannungen und Gegensätzen löst. Dort, dort wo er nicht mehr allein ist, liegt seine wahre Existenz.“

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