ad libitum (Teil 1)

Heute, am 8. Mai 2016, beginne ich mit meiner Erzählung. Am 4. Juni werde ich 59 Jahre alt und ich fühle mich im Vollbesitzt meiner geistigen und körperlichen Kräfte. Wäre es nicht vermessen, könnte ich sagen das sich mein Geist erleuchtet und reif fühlt all das zu schreiben, was es zu berichten gibt – und das ist viel! Zur Zeit wohne ich im Harz unweit von Thale, wo ein Schriftsteller zur Welt kam, mit dem ich eine Weile korrespondiert habe: Theo Löbsack – er ist seit vielen Jahren tot. Er hat in seinen wissenschaftlichen Büchern den Menschen als einen Fehlschlag der Natur bezeichnet und dies auch anhand seiner einseitigen Großhirnentwicklung zu begründen gewußt. Als junger Mann von vielleicht 19 Jahren, ich lebte damals in sehr negativen Lebensumständen, war ich auf einen Artikel von Theo Löbsack im deutschen PLAYBOY mit dem Titel „Ein Riss im Hirn – der Mensch als Fehlschlag der Natur“ gestossen, der mich fundamental beeindruckt hatte. Ich schrieb daraufhin einen Leserbrief an die PLAYBOY-Redaktion und kann mich noch sehr genau an den ungefähren Wortlaut erinnern: „Dem Autor gelang es sehr trefflich die bei mir schon seit länger Zeit existenten Erkenntnisse in den rechten Kontext zu bringen. Bleibt nur zu hoffen das der Mensch als „Krone der Schöpfung“ diesen wunderbaren Planeten nicht ganz zerstören wird.“ Kurze Zeit darauf fand ich meinen Leserbrief abgedruckt in der Folgenummer des PLAYBOY (damals noch im Bauer Verlag) wieder und war mächtig stolz darauf. Es war das erste Mal in meinem Leben in einem Periodikum abgedruckt zu werden. Immerhin war ich in meiner Kindheit und Judend ein so genannter Legastheniker und konnte dann im Laufe meiner späteren Entwicklung durch die Lektüre unzählige Bücher und meines guten Gedächtnisses aus dieser Schwäche eine Art Stärke machen. Damals war mir natürlich noch nicht klar das ich eines Tages, Jahrzehnte später, mit selbigen Theo Löbsack einmal korrespondieren sollte! Ohne hier viel vorweg nehmen zu wollen, kann ich sagen: Mein Leben sollte wirklich außergewöhnlich verlaufen und ich werde versuchen etwas davon hier zu erzählen ohne damit meine Memoiren schreiben zu wollen. Es geht mir um etwas ganz anderes und es hat prinzipiell mit dem Thema Löbsacks zu tun und gleichzeitig mit der Sinnfrage, die jeder Mensch für sich selbst beantworten muß! Da ich nicht an Zufälle glaube und wir erst im Laufe der Zeit mit etwas Glück – oder durch die Fügung unseres Schicksals – mit jener universellen Intelligenz in Berührung kommen, die uns zeigt das es keine Zufälle gibt. Niemals gab und das nur unsere eigene Intelligenz u. U. zu klein ist um uns das Unbekannte in seiner Genialität fühlbar und „verstehbar“ zu machen. Ich erlaube mir deshalb hier im Eingangskapitel des gerade begonnenen Buches aus einem anderen Buch zu zitieren.

Quelle des nachfolgenden Textes: http://www.clv-server.de


Ein schier unlösbares Treibstoffproblem

Goldregenpfeiffer, wenn ich bitten darf! Sie kennen mich nicht? Nun, ich bin etwas kleiner als eine Taube, und fliegen kann ich auch. Aber das ist schon fast alles, was ich mit meiner Vogelkollegin gemeinsam habe. Betrachten Sie nur mein Gefieder: Mein Nacken ist schwarz wie ein Ofenrohr – auch Scheitel, Mantel und Rücken glänzen schwarz. Aber dann schauen Sie, wie wunderschön mein Schöpfer jede einzelne meiner Federn umrahmt hat. Sehen Sie, wie obenauf alles goldgrün schimmert? Schließlich heiße ich nicht umsonst „Goldregenpfeiffer“. „Pluvialis dominica fulva“, wie die Wissenschaftler sagen. Mein mir unbekannter Schöpfer hat jedem seiner Geschöpfe etwas Besonderes geschenkt, finden Sie nicht auch?

Eine Mulde auf Dauerfrostboden

Ich bin in Alaska geboren, andere meiner Artgenossen in der ostsibierischen Tundra, Gegenden also, wo der Boden selbst im Sommer nur oberflächlich auftaut. Dort wachsen nur niedrige Sträucher, Moose, Heidegewächse ud Flechten. Dort in der offenen Tundra zerbrach ich die Schale meines Eies, in dem ich 26 Tage gestaltet wurde. Zusammen mit meinen Geschwistern fand ich mich in einer kleinen Bodenmulde wieder, die mit Moos und trockenen Blättern ausgepolstert war. Unsere Eltern fütterten uns, wie Sie sich denken können, mit Vitaminen und Eiweißen, mit Obst und Fleisch in Form von säuerlichen Moosbeeren, fetten Raupen, schwarzen Krähenbeeren und knackigen Käfern. So wuchsen wir schnell heranBald lernten wir fliegen. Das ist wunderbar! Anders ist es beim Laufen. Wenn Sie mir nachschauen, fangen Sie sicher an zu lachen. Ja, ja, Sie haben schon Recht, es ist ein Schaukelgang. Mein Schöpfer hielt es eben für richtig, mich so zu kontruieren. Denken Sie etwa ernstlich, ich wäre, so wie ich bin, durch einen „Zufall“ – andere nennen das etwas hochtrabender eine „Selbstorganisation der Materie“ – entstanden?

Und wissen Sie auch, dass ich bis nach Hawaii fliege? Ja, das ist tatsächlich eine ungeheure Strecke. Wie ich das bewältigt habe, fragen Sie? Ganz einfach: Ich bin geflogen. Mein Schöpfer hat mich nicht zum Schnellläufer und Rekordschwimmer gemacht. Ich kann dafür umso besser fliegen! Das will ich Ihnen noch beweisen.

Ein 50%-iges Übergewicht

Meine Geschwister und ich waren erst ein paar Monate alt. Wir hatten kaum fliegen gelernt, da verließen uns schon unsere Eltern. Sie flogen nach Hawaii voraus. Doch das wussten wir damals noch nicht. Ehrlich gesagt, interessierten wir uns auch nicht dafür. Im Gegenteil: Wir hatten vor allem großen Appetit und fraßen uns dick und fett. In kurzer Zeit nahm ich 70 Gramm zu, dass heißt, um mehr als die Hälfte meines Körpergewichtes. Das müssen Sie sich erst einmal vorstellen!

Wissen Sie, wie Sie aussehen würden, wenn Ihnen in drei Monaten das gleiche passieren würde, wenn Sie statt 75 Kilogramm auf einmal 115 Kilogramm auf die Waage brächten?

Nun möchten Sie bestimmt erfahren, warum ich so viel fresse. Ganz einfach: Mein Schöpfer hat mich so programmiert. Ich brauche dieses zusätzliche Körpergewicht als notwendigen Treibstoff für die Flugreise von Alaska bis nach Hawaii. Das sind nahezu 4500 Kilometer. Ja, ja, Sie haben sich nicht verhört! Aber es kommt noch besser: Auf der ganzen Strecke kann ich mich nicht ein einziges Mal ausruhen. Leider gibt es unterwegs keine Insel, kein Eiland, kein trockenes Fleckchen: und schwimmen kann ich ja nicht, wie Sie wissen.

Eine Viertelmillion Liegestützen

Meine Altersgenossen und ich fliegen 88 Stunden – also drei Tage und vier Nächte – ununterbrochen über das offene Meer. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass wir dabei die Flügel 250 000-mal auf- und abbewegen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten eine Viertelmillion Liegestützen machen: das etwa wäre ein angemessener Vergleich.

Nun frage ich Sie: Woher wusste ichdass ich mir genau 70 Gramm Fett anfressen musste, um bis Hawaii zu kommen? Und wer sagte mir, dass ich nach Hawaii soll und in welche Richtung ich da fliegen muss? Ich bin doch die Strecke vorher noch nicht abgeflogen! Unterwegs gibt es keinerlei Orientierungspunkte. Wie haben wir die winzigen Inseln im Pazifischen Ozean finden können? Denn hätten wir sie nicht gefunden, wären wir bei dem zu Ende gehenden Treibstoff ins offene Meer gestürzt. Viele hundert Kilometer ringsum ist doch nichts als Wasser!

Ein Autopilot

Immer noch zerbrechen sich Ihre Wissenschaftler den Kopf darüber, wie wir unseren Flugkurs bestimmen und korrigieren können, denn nicht selten werden wir auf unseren Flügen von Stürmen abgetrieben. Wir fliegen durch Nebel und Regen, und unabhängig von Sonnenschein, sternenklarer Nacht oder völlig bedecktem Himmel kommen wir immer ans Ziel. Doch selbst wenn Wissenschaftler eines Tages etwas darüber herausfinden könnten, wüssten sie immer noch nicht, wie diese steunenswerten Fähigkeiten entstanden sind. Ich will es Ihnen verraten. Jener unbekannte Schöpfer baute uns einen Autopiloten ein. Ihre Düsenjets haben ähnliche Navigationsinstrumente. Sie sind mit Computern via GPS gekoppelt, die ständig die Flugposition messen und sie mit dem einprogrammierten Kurs vergleichen, um dann die Flugrichtung entsprechend anzupassen. Unser Navigationssystem hat der Schöpfer auf die Koordinaten der Hawaii-Inseln einprogrammiert, so dass wir mühelos Kurs halten. Bedenken Sie nur: Dieser Autopilot ist auf kleinstem Raum untergebracht, und er arbeitet absolut betriebssicher.

Glauben Sie immer noch, das alles sei zufällig so geworden? Ich nicht! Überlegen Sie doch einmal: Ein Ur-Goldregenpfeiffer – was immer das auch gewesen sein mag – hätte sich rein zufällig 70 Gramm Fett angefressen? Meinen Sie, dass er dann ebenso rein zufällig auf die Idee kam, loszufliegen? Flog er wiederum zufällig in die richtige Richtung? Wurde er auf einer Strecke von über 4000 km nicht abgetrieben? Und fand er wiederum zufällig die richtigen Eilande im Ozean?

Und dann wären da ja noch die jungen Goldregenpfeifer. Hätten sie die gleichen Zufälligkeiten noch einmal erleben können? Bedenken Sie doch: Eine winzige Abweichung vom Kurs würde genügen, und alle würden rettungslos zugrunde gehen.

Eine genau festgelegte Geschwindigkeit

Aber ich habe Ihnen noch nicht alles erzählt. Wenn ich die 4500 Kilometer in 88 Stunden fliege, beträgt meine Fluggeschwindigkeit etwa 51 Kilometer in der Stunde. Inzwischen haben Wissenschaftler ermittelt, dass das für uns die ideale Geschwindigkeit ist. Wenn wir langsamer fliegen, verbrauchen wir einen zu großen Treibstoffanteil allein für den Antrieb. Flögen wir schneller, würden wir zu viel Energie zum Überwinden der Luftreibung verschwenden. Bei Ihrem Auto ist das ganz ähnlich. Wenn Sie schneller als 110 Stundenkilometer fahren, verbrauchen Sie aufgrund des stark ansteigenden Luftwiderstandes ständig mehr Benzin für die gleiche Strecke. Nur – Sie können an der nächsten Tankstelle halten, ich nicht. Ich muss mit den 70 Gramm Fett ans Ziel kommen, und das auch noch bei gelegentlichem Gegenwind.

Ein Rechenexempel

Nun, dann greifen Sie einmal zu Ihrem Taschenrechner. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir Goldregenpfeifer pro Flugstunde 0,6 % unseres jeweiligen Körpergewichts in Bewegungsenergie und Wärme umsetzen. Übrigens sind Ihre Fluggeräte weitaus schlechter kontruiert. So braucht beispielsweise ein Hubschrauber im Verhältnis zu seinem Gewicht siebenmal und ein Düsenjäger sogar zwanzigmal mehr Treibstoff als ich.

Zu Beginn des Fluges wiege ich 200 Gramm; 0,6% davon sind 1,2 g. Also wiege ich nach einer Stunde noch 198,8 g. Davon o,6% sind 1,19 g. Diese von 198,8 g abgezogen , ergeben 197,61 gSoviel wiege ich nach der zweiten Flugstunde. Davon wieder 0,6% abgezogen… Na, machen Sie noch mit? Sie werden es noch sehen, auch die Mathematik dient zur Ehre meines göttlichen Schöpfers.

Am Ende meiner Reise darf ich nicht mehr als 130 g wiegen, denn bei diesem Gewicht sind alle meine Reserven erschöpft, und ich müsste ins Meer stürzen und ertrinken. Rechnen Sie darum bitte weiterNach der dritten Stunde wiege ich noch 196,42 g, nach der vierten Stunde noch 195,24 g … Rechnen Sie nur – ich warte… Was ist? Ach so, Sie meinen, die Rechnung kann nicht aufgehen: und Sie sind sicher, ich würde mit meinen 70 g Fett nicht ans Ziel kommen? Sie haben festgestellt, dass ich 82,2 g Fett benötige. Das stimmt, Sie haben korrekt gerechnet: Nach 72 Flugstunden wäre alles „Treibfett“ vollständig verbraucht, und ich müsste – 800 Kilometer vor dem Ziel – ins Meer stürzen.

Eine einzigartige Lösung

Sehen Sie, auch das hat mein Schöpfer wohl bedacht. Er gab jeden von uns zwei lebenswichtige Informationen mit: „1. Fliege nicht allein über das große Meer, sondern immer in Gemeinschaft mit anderen“ – und – „2. Ordnet euch bei diesem Flug immer in Keilform an!“ Im Keilflug spart – im Gesamtmittel gerechnet – jeder gegenüber dem Einzelflug 23% Energie ein. Natürlich gilt diese Einsparrate nicht für den jeweiligen Vormann an der Pfeilspitze, aber er trägt die Last ja auch nicht ständig. Die Stärksten wechseln sich vorne ab, denn dort ist die Belastung am größten und im hinteren Teil der Kette wird entsprechend weniger Energie benötigt. So praktizieren wir in der Gemeinschaft eine Verhaltensweise, die in Ihrer Bibel als „Einer trage des anderen Last“ (Galater 6,2) bezeichnet wird. So können wir unser Winterquartier sicher erreichen. Jeder von uns hat sogar noch ein paar Gramm Fett übrig. Unser Schöpfer plante das für den Fall ein, dass auch einmal Gegenwind aufkommen kann. Er hat uns auch darin wunderbar versorgt.

Glauben Sie immer noch, der Zufall hätte mich geschaffen und hierher geführt? Ich nicht! Ich pfeife auf den Zufall! Aber meinen Schöpfer, den will ich loben: „Tlüh, tjüih!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s